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Der PTA-Blog

Senior Berater Mark Eichberger im Interview

"Die Führungskraft muss sich als eine aktive Synapse innerhalb des Unternehmens verstehen."

Welches sind Deine Tätigkeitsschwerpunkte in der PTA?

Mein Tätigkeitsschwerpunkt und auch meine Leidenschaft liegen bei dem coachenden Führen. Das bedeutet, ich bediene mich aus dem Coaching-Werkzeugkasten so, dass Führungskräfte die Selbstlösungskompetenz ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen steigern können. Der zweite wichtige Schwerpunkt ist das Gestalten von Shopfloor Management. Dort geht es darum, die beteiligten Menschen am täglichen Geschehen und am Wertschöpfungsprozess so einzubinden, dass die Gehirne und die Persönlichkeiten von allen genutzt werden. Das hat viel mehr mit Agilität zu tun, als man auf den ersten Blick vermutet.

Was bedeutet Transformation für Dich in Deiner täglichen Arbeit?

Das bedeutet für mich persönlich in meiner täglichen Arbeit ein ständiges Dazulernen. Ich arbeite mich hierfür in verschiedene fachliche oder auch private Themen ein, die mich sehr interessieren. Dabei gilt es mein breitgefächertes Interesse so weit zu fokussieren, dass ich das Gelernte zur Anwendbarkeit beim Kunden führen kann.

Das nächste betrifft unseren Podcast ‚Führung im Fokus‘, den ich moderiere. Dort denke ich mich immer wieder in die Gedankenwelt anderer hinein und muss ein bestimmtes Thema für mich präsent haben. In diesen Momenten muss ich selbst hochgradig veränderungsfähig sein. Während eines Gesprächs muss ich manchmal mir vorgelegte Muster innerhalb von Sekunden überwerfen, um dann doch eine andere Frage zu stellen. Daran erkennt man, dass ich im Kleinen immer das transformiere, was vorher schon da war. Denn ohne gute Vorbereitung wäre auch Transformation nicht möglich.

Wie sieht unsere Arbeitswelt in fünf Jahren aus?

Da gibt es ja nun ganz viele Modelle, von VUCA (Anm.: steht für volatile, uncertain, complex, ambiguous) bis BANI (brittle, anxious, non-linear, incomprehensible). Dass dies die vorherrschenden Bedingungen in unserer Welt sind und verstärkt sein werden, kann ich so auch nur unterstreichen. Es wird noch digitaler und kurzzyklischer, nicht nur im agilen Scrum-Kontext. Wir werden auch in anderen Umfeldern keinen weiten Planungshorizont haben. Hoffentlich aber eine Nachhaltigkeit im Geiste. Also immer wieder die Absicht zu haben, dass das was ich jetzt tue, einen nachhaltigen, positiven Effekt hat.

Welche Kompetenz(en) brauchen Führungskräfte jetzt?

Ich möchte mal drei nennen, von denen ich glaube, dass sie wirklich notwendig sind. Ich meine, dass das, was ich den „Lösungs-Liefer-Reflex“ nenne, neu definiert werden muss. Viele Führungskräfte sind in ihre Position gekommen und seit dem Schulsystem aufgestiegen, weil sie innerhalb einer angemessenen Zeit passende Lösungen für Probleme geliefert haben. Wenn ich als Führungskraft agiere, ist es aber nicht mehr meine primäre Aufgabe, eine Lösung für ein Problem zu liefern, sondern Lösungen dafür anzubieten, wie andere Probleme lösen können. Das geht damit einher, dass die eigene Wirksamkeit manchmal erst versteckt oder später erkennbar wird. Die schnelle Belohnung oder unmittelbare Rückmeldung über den Lösungserfolg wie sonst, bleibt aus. Eine wichtige Kompetenz an dieser Stelle wäre also auch Geduld.

Das zweite für mich wäre, Delegationsfähigkeit zu beherrschen. Etwas das einfach klingt, scheint in der Realität noch sehr herausfordernd zu sein. Ich sehe hier einen Grat zwischen Selbstverantwortung und systemrelevanter aktiver Priorisierung. Übersetzt heißt es, dass Führungskräfte die Gratwanderung beherrschen sollten dazwischen, anderen Menschen so viel Selbstverantwortung wie möglich zu geben (und sie dann auch ihre eigene Wirksamkeit spüren zu lassen) und gleichzeitig systemrelevant zu handeln. Mit systemrelevant meine ich in dem Fall das System des Unternehmens, in dem aktiv irritiert und priorisiert und nicht davon ausgegangen werden sollte, dass jeder das zu jeder Zeit für sich allein kann. Diese Art von Priorisierung gilt es auch zu kommunizieren. Die Führungskraft muss sich als eine aktive Synapse innerhalb des Unternehmens verstehen.

Die dritte Kompetenz betrifft den Umgang damit, wie viele Ressourcen Veränderungsfähigkeit kostet. Wie viel Pufferzeit muss ich für Dinge einplanen? Wieviel Budget muss ich für das, was ich nicht berechnen kann, einplanen? Wie teuer muss ich eine Dienstleistung oder ein Produkt verkaufen, damit ich es mir als Unternehmen leisten kann, veränderungsfähig zu bleiben? Denn Veränderungsfähigkeit braucht Zeit und Experimentierraum und das korreliert in unserer Welt oft mit Geld. Deswegen finde ich es wichtig, hierfür ein Gespür oder ein Verfahren für sich präsent zu haben.

Darüber hinaus finde ich, darf man das alltägliche Leben auch gerne mal etwas spielerischer angehen. Gerade weil die Dinge unsicher sind und wir nicht von Garantien ausgehen können, ist eine gewisse Leichtigkeit eine brauchbare Kompetenz.

Welches Buch sollte jede Führungskraft oder jede:r Unternehmer:in gelesen haben?

Ich möchte gerne das Buch „Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us“ von Daniel H. Pink empfehlen. Es geht um Motivation im Beruf und Privatleben und um das Thema Mindset.

Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit treffen könntest, egal ob tot oder lebendig: Wer wäre es und warum?

Da gibt es eine Menge Menschen. Ich würde gerne Sir Robin Knox-Johnston treffen, weil dieser für mich ein absolutes Vorbild ist an Durchsetzungskraft, Disziplin und gleichzeitigem Altruismus und Menschlichkeit. Er hat in den 1960er Jahren als erster Mensch allein die Welt umsegelt. Das ist eine unfassbare Leistung, vor allem zu der Zeit, die man kaum in Worte fassen kann. Sein Preisgeld hat er im Übrigen der Familie seines Konkurrenten geschenkt, der auf See ums Leben gekommen ist. Er ist außerdem eine absolute Koryphäe darin, Teams zusammenzustellen.

Welcher PTA-Moment ist Dir ganz besonders in Erinnerung?

Das erste Einzelcoaching, für das ich bei der PTA zum ersten Mal beauftragt wurde. Ich erinnere mich an die innere Anspannung. Nicht zu wissen, was bei dem Gegenüber gerade passiert, aber dann auch ganz viele magische Momente erlebt haben zu dürfen, die später zu Dankbarkeit und Veränderungsfähigkeit geführt haben. Um den Kreis zu schließen, das ist genau das, was ich jeden Tag in Einzelcoachings mache: Gute Fragen stellen, manchmal wirklich unvorhergesehene Antworten bekommen und mit denen dann weiter professionell im Sinne des Coachee zu arbeiten. Das bereitet mir echte Freude.


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