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Mai

Industrie 4.0 und Lean: Ein starkes Team

Industrie 4.0 und Lean entfalten erst gemeinsam ihre volle Wirkung

Seit der ersten Veröffentlichung des Begriffs Industrie 4.0 auf der Hannover Messe 2011 sind nunmehr fünf Jahre vergangen. Eine Zeitspanne, an welche die Promotoren der vierten Industriellen Revolution gewisse Erwartungen gestellt hatten. Doch der große Durchbruch am Standort Deutschland lässt trotz großer verbaler Unterstützung der Politik noch auf sich warten. Einige Experten sprechen inzwischen schon davon, dass Deutschland den internationalen Wettlauf bereits verloren hat. Muss die Vision „Industrie 4.0“ aufgegeben werden? Wir glauben nein – auch wenn an die Umsetzung größere Anforderungen gestellt werden, als es die gedanklichen Väter und Hersteller der zugehörigen Hard- und Software einräumen.

Industrie 4.0 und Lean - Ein starkes Team

 

Der Mensch im Zentrum einer gelingenden Umsetzung

Was im Zusammenhang mit der Transformation zu Industrie 4.0 kaum Erwähnung findet, ist der Faktor Mensch. Wie stellen sich die Promotoren das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine in Zukunft vor? Sind das Ziel autonome Prozesse in menschenleeren Fabrikhallen? Von diesem Schritt sind wir noch einige Jahrzehnte entfernt. Darum vertreten wir die These, dass selbst bei einem technikfokussierten Thema wie Industrie 4.0 der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Es sind die Mitarbeiter, die die gedanklichen Vorleistungen zu einem höheren Grad der Automatisierung erbringen und auch diejenigen, die den optimierten Prozess fachkundig betreuen. Hier ist eine gründliche Vorbereitung und Zielsetzung entscheidend. Nicht zuletzt, weil die Belegschaften der Zukunft vor noch nicht gesehenen Lernherausforderungen stehen, bei denen sie unterstützt und begleitet werden müssen.

 

Mehrere Stufen für den Erfolg

Im Zentrum aller Überlegungen muss die Frage der Zielsetzung stehen. Was genau wollen wir durch den technischen Wandel erreichen? Ist diese Frage beantwortet, kann mit der Vorbereitung begonnen werden, bei der die Grundsteine für fließende und hoch automatisierte Prozesse gelegt werden. Hierbei können viele Aspekte des Lean-Ansatzes und des Shop Floor Managements helfen, die richtigen Grundvoraussetzungen zu schaffen. Sind diese nicht gegeben, wird sich rein durch die Erhöhung des Automatisierungs-grades und der Kommunikation zwischen Produkt und Fabrik kein nennenswerter Mehrwert für das Gesamt-system einstellen.

Ein Muss für jegliche Optimierung bestehender Prozesse ist ihre Basisstabilität. Dies ist zwar keine neue, dennoch aber eine zentrale Erkenntnis. Und sie gilt nicht nur für Fertigungsprozesse, sondern für alle Ab-läufe im Unternehmen. Bevor Energie in den technologischen Ausbau investiert wird, sollte zunächst kritisch die Stabilität des betrachteten Prozesses hinterfragt werden.

Sind die prozessualen Grundlagen geschaffen, kann eine funktionierende und stufengerechte Kommunikation der Funktionseinheiten etabliert werden. Diese stellt zum Beispiel mittels einer auf das Unternehmen abgestimmten Gesprächskaskade ein zeitnahes Abweichungsmanagement sicher und sorgt dafür, dass Probleme schnell und auf der richtigen Ebene gelöst werden. Eine offene und teamorientierte Führungskultur sollte ebenfalls vor der technischen Umsetzung etabliert werden. Diese unterstützt dabei, dass die Mitarbeiter am Prozess durch die operativen Führungskräfte in die kontinuierliche Verbesserung des Systems eingebunden sind.

 

Mitarbeiter bei der Umsetzung begleiten

Nach Schaffung der prozessualen, organisatorischen und sozialen Grundlagen kann die technische Umsetzung angegangen werden. Wichtig ist das Bewusstsein, dass eine derartige technische Veränderung zunächst eine massive Störung des Gesamtsystems darstellt. Entscheidungsträger müssen beachten, dass die Einführung neuer technischer Systeme zunächst eine Verschlechterung der Ergebnisse nach sich ziehen kann. In der Phase, in der mit den neuen Prozessen erste Gehversuche gemacht werden, brauchen die Mitarbeiter Unterstützung und Begleitung, sowohl auf technischer als auch auf sozialer Ebene.

 

Fazit

Industrie 4.0 und Lean können und sollten eng miteinander verzahnt werden. Sind mithilfe von Lean erste Grundlagen geschaffen, kann mit den technischen Möglichkeiten von Industrie 4.0 eine weitere wichtige Entwicklungsstufe auf dem Weg zum Lean Enterprise erreicht werden. Denn klar ist: Wir alle wollen, dass der Industriestandort Deutschland im internationalen Wettbewerb auch in Zukunft konkurrenzfähig bleibt und weltweit Akzente setzt.

Andreas RitterAndreas Ritter ist Diplom-Ingenieur (FH) und verfügt über langjährige Erfahrungen als Produktionsleiter in der Automobilindustrie. Als Projektleiter beschäftigt er sich bei der PTA mit Lean, Lean Leadership und Geschäftsprozessoptimierung.

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